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Türkei - Asien

Reise durch den Westen der Türkei

Der Yachthafen von Bodrum
Der Yachthafen von Bodrum

Bodrum an der türkischen Riviera

Nach drei Übernachtungen in Bergama setzte ich mich in einen Bus nach Izmir, dort in einen weiteren, der mich entlang der reizvollen Küste nach dem Ferienort Bodrum brachte. Während dieser Fahrt konnte ich des öfteren umzäunte Gebiete betrachten, in denen versucht wurde, die entwaldete Buschlandschaft wieder aufzuforsten.
In Bodrum angekommen, war es nun wirklich nicht einfach, eine vernünftige Unterkunft zu finden. Schließlich fand ich Logis in einem „inoffiziellen“ Hotel, ein Gebäude, in das mich Einheimische geschickt hatten und das ich sonst nie gefunden hätte. Keine Aufschrift oder Schild kündete vom Zweck des Hauses.
Die weitaus übergroße Mehrheit in diesem kleinen Städtchen waren ausländische und türkische Touristen. Im Hafen, rechts der auf einer kleinen Halbinsel liegenden mittelalterlichen Johanniter-Festung Sankt Peter, lag entlang des ganzen langen Kais eine am Heck vertäute große und teure Segel-Yacht neben der anderen.

Bodrum ist das antike Halikarnassos, in dem einst das weltberühmte „Mausoleum“ stand, doch stand mir während meines Aufenthaltes hier nicht der Sinn danach, schon wieder zerbrochene Steine zu besichtigen.
Abends ging ich in die „Altstadt“ vor der befestigten Halbinsel. Diese bestand eigentlich nur aus zwei Gassen, in denen sich Ramschladen an Ramschladen reihte und durch die sich jetzt, dicht an dicht, ein endloser Strom von Touristen schob. Ich flüchtete in eine Teestube, in der sich ausschließlich türkische Gäste befanden, wie stets nur Männer, trank einen Çay (sprich: Tschai), und betrachtete den endlosen Strom. Nach einer Weile tauchten oft wieder die gleichen Gesichter auf.
Weshalb die Leute die ganze Zeit die Gasse auf und ab flanierten, blieb mir schleierhaft.
Ein junger Türke sprach mich an und wir kamen ins Gespräch.
Auch die anschließende Suche nach einer günstigen Essensgelegenheit war nicht so einfach, Restaurants gab es zwar etliche, doch die Preise schreckten ab.
Ich fand schließlich was ich suchte, trank ein gutes türkisches Bier und machte mich noch auf einen Rundgang. Aus den Discos, die Eintritt kosteten, drang überall 08/15 Popmusik, ähnlich dem, was in unseren 3. Radioprogrammen lief, und so ging ich zurück ins „Hotel“.
Schon weit nach Mitternacht hämmerte mich jemand aus dem Schlaf. Ärgerlich rief ich, er solle verschwinden, doch es wurde weiter geklopft. Ich hielt mir die Ohren zu und wollte die Sache nach dem Vorbild unseres damaligen Kanzlers aussitzen, doch hatte der Störenfried den längeren Atem.
Verärgert öffnete ich die Tür.
Ein Hotelangestellter stand mit einer türkischen Matrone und ihren beiden Kindern vor der Tür, es sei ein Irrtum passiert, dieses Zimmer sei für diese Dame reserviert gewesen und ich solle mir doch ein anderes Zimmer aussuchen, in diesem Stockwerk seien fast alle anderen Zimmer noch frei.
Ich war ob dieser Unverschämtheit natürlich ziemlich zornig und wollte die Türe wieder zuschlagen, doch der Türke war schneller. Er stellte seinen Fuß in die Tür.
Ich müsse das Zimmer wechseln!
Genau so blöde wie stumm glotzte die dicke Matrone mich beinahe bewegungslos und mit ausdrucksloser Miene an.
Bevor ich hier ewig herum stritt und es gar noch zu Handgreiflichkeiten kam, nahm ich meine Tasche und legte mich halt in Gottes Namen in ein anderes Zimmer, das sich vom alten in rein gar nichts unterschied, um weiter zu schlafen.
Morgen wollte ich mir eine andere Unterkunft suchen!

Burg St. Peter Bodrum (Bodrum Kalesi) auf Bodrum
Burg St. Peter
(Bodrum Kalesi)

Deshalb begab ich mich also auf Rundschau. Am Ende des Kais, in einiger Entfernung zur Burg, fand ich endlich einige Pensionen und kleine Hotels. In einem davon trank ich Cola und unterhielt mich mit dem jungen Angestellten. Er war ganz aufgeregt von der Tatsache, daß sich eine nicht mehr ganz junge französische Touristin mit einem der reichen türkischen Bootseigner für ein paar Stunden in einem der Zimmer eingemietet hatte. Für die allgemein sehr prüden Türken war so ein Verhalten ungeheuerlich. Wohlgemerkt, nur das Verhalten der Französin schien hurenhaft, das des Bootseigners war normal - eben ein Mann mit Glück.
Ich überlegte mir, daß es in Bodrum außer den vielen Touristen wohl nicht viel zu sehen gab, und beschloß abzureisen. Das nächste Ziel hatte ich mir schon vorher überlegt, ich wollte ins berühmte Pamukkale. Doch wollte ich noch die Burg besichtigen. Auf dem Weg dorthin begegnete mir der Türke aus der Teestube von gestern Abend.
Er begleitete mich auf die Burg und erzählte von sich.
Er war Kurde aus einem kleinem Dorf im Osten und an die Westküste gekommen, um durch die Touristen irgend eine Art von Arbeit zu bekommen, aber er hatte bis jetzt noch nichts gefunden.
Auf der Burg bzw. Festung waren Archäologen bei der Arbeit, einer war damit beschäftigt, mit einer Bürste eine alte Amphore zu säubern.
Aufgrund des guten Erhaltungszustandes vermutete ich eine Herkunft aus dem Meer. Er bestätigte mir dies mit amerikanischem Slang.
Des weiteren erkundigte ich mich, ob der Fund aus der Zeit von Byzanz stammte oder älter war.
Der Amerikaner begriff nicht, da ich Byzanz wie „Büzanz“ aussprach.
Endlich fiel der Groschen: „Bizäns! Ja, das ist aus Bizäns!“

Ich begann zu lachen, wieder etwas gelernt, doch nahm er mir das Lachen übel, wie ich an seiner Miene sah.
Der Kurde meinte, ich solle meine Abreise doch auf morgen verschieben, dann könnten wir nachmittags zusammen in ein Dorf im Westen der Halbinsel, auf der auch Bodrum liegt, fahren und dort bei einem Bekannten von ihm, einem Restaurantbesitzer, einkehren.
So eilig war meine Abreise nun auch nicht und so willigte ich ein. Am Nachmittag fuhren wir also mit einem Kleinbus in den Badeort und kehrten bei seinem Bekannten ein. Ich gab ein Essen und Bier aus, hatte eine Angelschnur samt Blinker dabei und versuchte von der Anlegebrücke aus mein Glück. Drei oder vier Mal warf ich den Haken, dann war der Spaß vorbei, ich hatte zu heftig geworfen, die lose Schnur reichte nicht aus und der Schwung beförderte die ganze Rolle mit ins Wasser, wo sie versank.
Mein Kurde hatte ein Auge auf ein junges Mädchen aus dem Dorf geworfen und diese spazierte just ganz zufällig an unserem Restaurant vorbei. Ich fragte den Kurden, warum er sie denn nicht angesprochen hätte.
Er erklärte mir, daß ihr Vater dann wohl ihn, sie oder gar beide umbringen würde, die ganze Sache sei hoffnungslos, obwohl beide die gleichen Gefühlte hätten. Doch ihr Vater würde so einen daher gelaufenen kurdischen Bettler wie ihn niemals akzeptieren.
Die Dunkelheit war schon eingebrochen, als wir uns auf den Rückweg machten.

Bodrum - Die Hafenanlage westlich der Burghalbinsel existierte damals noch nicht
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